Schulen stärken heißt Personalpolitik neu denken Kopieren

Der Fachkräftemangel im Bildungsbereich ist seit Jahren bekannt und wird politisch regelmäßig betont. Gleichzeitig zeigt sich in der Praxis jedoch ein widersprüchliches Bild: Während Schulen dringend auf zusätzliche Unterstützung angewiesen sind, bleiben Stellen unbesetzt oder werden nicht nachbesetzt, und qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber scheitern an formalen und bürokratischen Hürden.

Ein Beispiel aus dem Salzlandkreis verdeutlicht die Problematik: An einer Gemeinschaftsschule geht eine langjährig tätige pädagogische Mitarbeiterin in den Ruhestand. Nach aktuellem Stand soll diese Stelle jedoch nicht wieder besetzt werden. Die Folge wäre, dass künftig eine einzelne pädagogische Mitarbeiterin für die Unterstützung von nahezu 500 Schülerinnen und Schülern verantwortlich ist. Diese Relation steht in keinem angemessenen Verhältnis zu den Anforderungen eines modernen Schulbetriebs.

Gleichzeitig berichten viele Schulen und Träger von Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden – während Bewerbungen häufig an Details scheitern, etwa an fehlenden Monaten Berufserfahrung oder an rein formalen Nachweisen, obwohl die fachliche Qualifikation bereits faktisch gegeben ist.

Hier entsteht ein grundlegendes Spannungsfeld: Auf der einen Seite wird der akute Personalbedarf anerkannt, auf der anderen Seite verhindern starre Auswahl- und Verwaltungsverfahren eine schnelle und pragmatische Besetzung dringend benötigter Stellen.

Gerade im Bildungsbereich kann diese Diskrepanz erhebliche Folgen haben. Sie führt zu einer zusätzlichen Belastung des vorhandenen Personals, zu Einschränkungen in der individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern und langfristig zu einer Schwächung der schulischen Qualität.

Bildungspolitisch ist deshalb ein Umdenken erforderlich. Personalgewinnung im Schulbereich muss flexibler, praxisnäher und weniger bürokratisch gestaltet werden. Dazu gehört insbesondere:

  • eine stärkere Anerkennung faktisch erbrachter Qualifikationen, auch wenn formale Dokumente noch ausstehen
  • ein Abbau unnötiger Einstellungshemmnisse
  • eine realistische Personalplanung, die tatsächliche Schülerzahlen und Belastungen berücksichtigt
  • sowie eine konsequente Nachbesetzung frei werdender Stellen – Einstellungsstopp pädagogischer Mitarbeiter:innen sofort beenden

Bildung darf keine Haushaltsdebatte sein, sie muss zur Priorität werden.